Park Hyatt Vienna

Park Hyatt Vienna am Hof

Bauherr: SIGNA
Architekt: Heinz Neumann ZT GmbH
Eröffnung: Juni 2014
Bildrechte: Gregor Titze

HNP bauten denkmalgeschütztes Innenstadt-Juwel erfolgreich zu Luxushotel um

Beim Bauvorhaben Am Hof 2 im 1. Wiener Gemeindebezirk, zwischen Am Hof, Bognergasse, Tuchlauben und Seitzergasse situiert, handelt es sich um einen Zu- und Umbau eines denkmalgeschützten Gebäudes. Zusammen mit dem Zu- und Umbau des unmittelbar benachbarten Objekts „Tuchlauben“ bildet es das Gesamtprojekt „Goldenes Quartier“.
Für das Objekt Am Hof 2 wurde auf zirka 25.000 m² BGF (zirka 21.000 m² BGF ober-irdisch) das „Luxushotel„Park Hyatt Vienna“ mit 143 Zimmern, davon 35 Suiten, geplant und im Juni 2014 eröffnet. In der Sockelzone finden Gastronomie- und Geschäftsräume Platz.
Charakteristisch für dieses Projekt waren einerseits die integrale Planung unter Berücksichtigung der Vorgaben des Denkmalschutzes und andererseits die Ertüchtigung bestehender Altsubstanz – v.a. in den Planungs-bereichen Tragwerksplanung und Bauphysik.

Gebäudehistorie

Das als Bank- und Geschäftshaus konzipierte Gebäude wurde anstelle des alten k.k. Kriegsministeriumsgebäudes 1913 – 1915 nach den Plänen Ernst von Gotthilfs und Alexander Neumanns für die Niederösterreichische Eskompte-Gesellschaft errichtet. Der zentrale Trakt des Kassensaals und des darüber liegenden Festsaals wird von vier Flügeln mit sieben Geschoßen (zwei Kellergeschoße) und umlaufender Erschließung umgeben. Mit drei Straßen- und einer Hoffassade zur Kirche am Hof ist der Bau weitgehend freigestellt.
Das Gebäude wurde 1938 durch die Länderbank Wien erworben (aufgegangen 1948 in der Österreichischen Länderbank bzw. 1991 in der Bank Austria) und wechselte 2008 in den Besitz der SIGNA Holding.
Aufgrund von Kriegsschäden mußten Wände und die Betondecken in den oberen Geschoßen ausgewechselt werden. Die Aufstockung des Mitteltrakts erfolgte 1952. Der Lichthof hinter dem Seitzergassen-Trakt im Hochparterre wurde 1966 überbaut. In Anlehnung an die Originalpläne wurde 1995 – 1997 in der Bognergasse die Geschäftsfassade erneuert und ein neuer Eingang zum Kassensaal geschaffen. Bei der Vorbereitung des gegenständlichen Zu- und Umbaus zerstörte ein Brand einige Bereiche mit historischen Einbauten. Durch im Vorfeld getroffene Bestandserhebungsmaßnahmen konnten die beschädigten Zonen jedoch vollständig und bis ins Detail originalgetreu rekonstruiert werden.

Denkmalschutz und Restauration

Ernst von Gotthilf und Alexander Neumann zählten zu den renommiertesten und meist-beschäftigten Architekten der späten Mo-narchie. Neben vielen anderen Arbeiten bestand ihr wesentliches Betätigungsfeld in der Planung von Bankgebäuden.

Die bewusste Absetzung von Jugendstil und Sezessionismus einer- und vom späten Historismus andererseits manifestiert sich in dem, speziell für diese Bauaufgabe entwickelten architektonischen Stil. Dieser ist geprägt von einem noblen Neoklassizismus, der, in edlen Materialien realisiert, nicht nur den hohen Repräsentationsansprüchen der damaligen Bauherrschaft entsprach, sondern in seinem fest gefügten Traditionalismus auch Seriosität und Wertbeständigkeit suggerierte.

Formal der traditionellen Formensprache verhaftet, entwarf das Architektenduo konstruktiv unkonventionell und planungsoffen ein äußerst modernes Gebäude. Durch den konsequenten Einsatz von neuer Technologie – das Gebäude ist eines der frühen Beispiele einer Eisenbetonkonstruktion – wurde ein Höchstmaß an Flexibilität innerhalb der Bürobereiche ermöglicht.
An einem der historisch bedeutendsten Standorte Wiens nimmt der geschichtlich, künstlerisch und kulturell relevante Bau eine prominente städtebauliche Position ein und ist ein wichtiger Bestandteil des Weltkulturerbes „Wien – Innere Stadt“.

Zur präziseren Festlegung denkmalgeschützter Bereiche wurde daher entsprechend den Auflagen des Bundesdenkmalamts bei Planungsbeginn im Juni 2009 eine Bestandsaufnahme durchgeführt. Das Ziel war eine Unterteilung des Gebäudes in drei Zonen – von besonders sensiblen bis hin zu künstlerisch nicht ausgestalteten Bereichen.

Aufbauend auf dieser Einteilung wurden im April 2010 materialspezifische restauratorische Untersuchungen durch ein Spezialistenteam durchgeführt, um in weiterer Folge konservatorische Maßnahmen zum Erhalt der historischen Substanz festlegen zu können. Ergänzend dazu wurden zur Dokumentation orthografische Aufnahmen aller besonders sensiblen Bereiche durch das Vermessungsbüro Linsinger angefertigt. Die durch den Brand am 18. November 2011 großteils zerstörten Bereiche der Beletage wurden originalgetreu wiedererrichtet, wobei hier besonderes Augenmerk auf die Authentizität in der Wiederherstellung gelegt und mit dem Original übereinstimmende Materialarten und Fügetechniken angewandt wurden.
Durch die vormals erwähnte orthografische Dokumentation konnten mittels spezieller Auswertungsmethoden originalgetreue dreidimensionale Modelle der historischen Wand- und Deckenverkleidung angefertigt werden. Darauf bzw. auf nach dem Brand geborgene Holz- und Metallteile aufbauend konnten in weiterer Folge durch Restauratoren Detailzeichnungen erstellt werden. Das Architekturbüro HNP– Neumann+Partner, das in diesem Projekt nicht nur als Architekt, sondern auch als Generalplaner fungierte, übernahm diese Details der historischen Verkleidungen in der weiteren Planung und stimmte integral die Gebäudetechnik darauf ab.

Architektur

Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes steht unter Denkmalschutz – bauliche Eingriffe beschränkten sich daher Großteils auf die Ertüchtigung der Gebäudesubstanz, wie beispielsweise die thermische Sanierung der originalen Kastenfenster. Die mehr als 100 Jahre alten Bauteile wurden fachgerecht überarbeitet und auf den Stand der Technik gebracht, um den heutigen baurechtlichen Anforderungen zu entsprechen. Im Zuge der Fassadensanierung wurde in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt auch die Sockelzone an historische Ansichten des Gebäudes angepaßt. Parallel dazu wurden in die Sockelfassade der Seitzergasse die Portale der neuen Verkaufsflächen unter Berücksichtigung des ursprünglichen Fassadenkonzepts integriert.
Die bestehende Ast-Molin-Betonkonstruktion des Dachgeschoßes wurde abschnittsweise abgebrochen und bauphysikalisch dem Stand der Technik entsprechend in Leichtbauweise als Stahlkonstruktion wiederhergestellt. Für die Herstellung der Dachflächenfenster und deren formale Integration in die bestehende Dachlandschaft galt es, den Einklang aus Nutzungsanforderungen sowie Vorgaben und Zielen des Denkmalschutzes herzustellen. Mit einer Vielzahl an Material- und Farbstudien bzw. Bemusterungen mit Evaluierungen aus der Nähe und vom Hochhaus in der Herrengasse aus, wurde der gewünschte Effekt der „Unsichtbarkeit vom Straßenraum aus“ bei gleichzeitig freier Aussicht auf die Stadt vom Innenraum aus erreicht.

Die 145 Zimmer, davon 35 Suiten, befinden sich im Bereich vom Mezzanin bis zum Dachgeschoß und zählen mit 35-170m2 zu den größten der Stadt.
Im Inneren des Gebäudes erfolgten teilweise größere Eingriffe in die bestehende Bausubstanz, um die Front-of-house-Flächen entsprechend den Anforderungen eines Luxushotels gestalten zu können. Die Innenraumplanung von FG stijl arbeitet mit Anspielungen an den neoklassizistischen Stil des Gebäudes bzw. akzentuiert diesen bewusst mit modernen Ausstattungselementen und Mobiliar.
Die Erweiterung des Eingangsbereichs stellt ebenfalls einen maßgeblichen, architektonischen und baulichen Eingriff dar, der für die Organisation der Eingangszone des Hotels bedeutend war. Eine Seitenwand wurde geöffnet und die denkmalgeschützten Oberflächen an die Stirnseite des so geschaffenen neuen Rezeptionsbereichs verschoben. Die Wandverkleidungen wurden hinsichtlich Materialwahl und Farbgebung exakt auf die des Bestands abgestimmt. Verschiedene Bar- und Loungebereiche, wie beispielsweise eine Zigarren- und Whisky Lounge, wurden im Hochparterre um den Eingangsbereich herum angeordnet.

Im ehemaligen Kassensaal befinden sich nunmehr das Restaurant inklusive Bar. Technisch besonders anspruchsvoll gestaltete sich die Erhaltung der „auf Knirsch“ verlegten, historischen Wandverkleidungen, da unterhalb des Saals eine Zwischendecke des ehemaligen Tresorbereichs abgebrochen und Stützen ausgewechselt werden mussten, um den Einbau eines Schwimmbeckens im Spa-Bereich zu ermöglichen. Die Auswechslung erfolgte mittels Stahlträgern, wobei die Problematik eines setzungsfreien Einbringens durch den Einsatz hydraulischer Pressen, die den Gebäudebereich bis zum kraftschlüssigen Verbund der Stahlträger mit dem Gebäude anheben, erfolgte. Die Verformungskontrolle erfolgte laufend durch präzise Lasermessungen. Als Eyecatcher und in Reminiszenz an die ehemalige Nutzung als Bankgebäude wurden die alten Tresortüren in die Innenraumgestaltung integriert.

Apropos Tresortüre: Die zahlreichen Safes und Minibars für das neue Hotel stammen von Dometic Austria, einem Unternehmen der Dometic GROUP.
In der originalgetreu rekonstruierten Beletage befinden sich der Festsaal, diverse Tagungsräume und das zugehörige Foyer. Durch die bis ins kleinste Detail dokumentierte Bestandsaufnahme und die integrale Planung war es möglich, die rund 200 renommierten Kunsthandwerker mit entsprechendem Planmaterial zur Ausführung zu versorgen. Die Arbeitsschritte für die Rekonstruktionsarbeiten stellten ein logisches Ineinandergreifen tradierter Techniken und modernster Methoden dar. So wurden beispielsweise aus den Orthofotos heraus generierte dreidimensionale Computermodelle erstellt, die die Basis für CNC-gefräste Kunststoffmodelle bildeten. Diese Modelle wurden von Kunsthandwerkern per Hand nachbearbeitet und anschließend 3D-gescannt. Das endgültige Werkstück wurde, basierend auf diesen Scans, durch eine CNC-Fräse vorgefertigt und präzise und aufwendig von Hand nachbearbeitet.

Die statische Ertüchtigung samt Entsprechen der neuesten Erdbebennorm wurde durch den Nachweis der Tragfähigkeit des historischen Mörtels einerseits und die als Erdbebenkern ausgestaltete Innenhofverbauung mit zusätzlichem Notstiegenhaus andererseits sichergestellt. Weiters wurde ein neues Stiegenhaus mit Doppelliftgruppe und Feuerwehraufzug im Kirchentrakt errichtet.

Fakten


Adresse

Am Hof 2

A-1010 Wien

Fläche

Nutzfläche: ca. 18.000 m2

143 Zimmer, davon 35 Suiten (zwischen 35 und 170 m2)

Architektur

Arch. Heinz Neumann ZT GmbH

Chronologie

Baubeginn: 2011

Fertigstellung: Juni 2014

Projektpartner

SCS Refurbishment
Hotel Schani