SCS Refurbishment

Ein wachgeküsster Dinosaurier

Architekt: ATP architekten ingenieure
Integrale Planung: 2013
Bildrechte: Kurt Kuball: ATP/Kurt Kuball / Markus Kaiser: © Markus Kaiser, Graz, www.markus-kaiser.at

ATP architekten ingenieure: SCS-Umbau und -Generalsanierung erfolgreich abgeschlossen

Die Shopping City Süd – SCS – ist eines der größten Einkaufszentren Europas und das größte in Österreich. Das Stammhaus geht auf das Jahr 1975 zurück, sodass man getrost von einem Dinosaurier unter den Einkaufszentren sprechen kann. Das generalsanierte Hauptgebäude verfügt über eine zirka 3 km lange Auslagenfront und eine Verkaufsfläche von gut 192.500 m2. Rund 4.500 MitarbeiterInnen sind in mehr als 330 Shops, Cafés, Bars, Restaurants, Kinos etc. beschäftigt. Der Komplex ist auf rund 1,6 km durchgehend begehbar.
Das Facelift für die SCS geschah in zwei Etappen. Das umfassende Refurbishment nach den Plänen von ATP architekten ingenieure beinhaltet neben der architektonischen Neugestaltung auch die umfassende Sanierung der Mall und die haustechnische Sanierung aller Shopflächen sowie die Erneuerung des Außenauftritts der gesamten SCS, inklusive Fassade und Außenanlagen.
Mit der Eröffnung der „Garden Plaza“ im Oktober 2012 war die erste Phase der General-sanierung abgeschlossen. Im Februar 2013 begann man mit der Erneuerung der Außenanlagen, Fassaden und Eingänge. Der Abschluss des Refurbishments konnte Ende November 2013 gefeiert werden.

Revitalisierungskonzept

Ziel der Revitalisierung war es, notwendige Instandhaltungsmaßnahmen, sicherheitstech-nische und optische Sanierungen sowie gezielte Funktionsverbesserungen so umzusetzen, dass das Einkaufszentrum technisch verbessert und für den Kunden gestalterisch aufgewertet wird. Dies geschah großteils bei laufendem Betrieb.
Prioritär war dabei die Entkernung, das Entfernen von Überflüssigem und die Reduktion auf das Wesentliche. Diese Vereinfachung lenkt nun den Fokus auf die Shops. Die neu gestaltete Mall schafft eine Art „Bühne”, die durch die Kunden selbst bespielt wird.
Weiters entstand ein neues Orientierungs-system mit einer übersichtlichen Abfolge von attraktiven Wegen und Plätzen. Neue Oberlichtbänder im Stammhaus bringen mehr Tageslicht in die Mall und weiten den Raum nach oben.
Die Sanierung bei laufendem Betrieb stellte eine logistische Herausforderung an das Planungsteam von ATP dar: Während auf der Baustelle auf 2,5 Meter hohen Plattformen über dem normalen Geschäftsbetrieb und hinter Abschrankungen mit Hochdruck gearbeitet wurde, durfte der Kundenfluss nicht beeinträchtigt werden.
Besonderes Augenmerk legte man auf die durchgängige Farbe Weiß. Ein weißer spanischer Marmor, leicht glänzend poliert, als Fußbodenbelag wirkt sich positiv auf die Stimmung der Menschen aus, die die SCS frequentieren.

Moderne Architektursprache

Eine moderne Architektursprache und die Neugestaltung durch Freiräume, Lounge-Bereiche und Begrünung werten die gesamte SCS auf und steigern insgesamt die Attrak-tivität des Einkaufszentrums. Wie in einem gewachsenen Stadtzentrum gibt es Plätze, kleine Parks und Bereiche zum Sitzen und Kommunizieren. Wasser und üppige Begrünung sorgen für ein organisches Raumklima und eine angenehme Atmosphäre.
Von Shopmietern und Kunden gleichermaßen begrüßt wird auch die Öffnung des Daches, die Vergrößerung der Lufträume zwischen oberer und unterer Verkaufsebene und die damit verbundene neue „Luftigkeit“. Die Tunnelatmosphäre der alten Mall ist damit Geschichte.

Fassaden- und Eingangsgestaltung

Bereits in ihrer ursprünglichen Form von 1975 war die SCS sehr inhomogen geplant. Zusätzliche Zubauten und Aufstockungen trugen im Laufe der Zeit zur weiteren Zerstückelung des Gebäudekomplexes bei. Im Zuge der Generalsanierung wurden daher – wo möglich – Ecken, Vorsprünge und Rücksprünge baulich begradigt.
Die Gestaltung der neuen Fassade zielt darauf ab, mittels Farbe und Material das Gebäude optisch zu fassen und als gesamthafte, große Struktur erkennbar zu machen. Dafür wurde ein einheitliches System gewählt: Durch horizontal laufende Stahlpaneele werden alle Gebäudefassaden ohne Materialwechsel beruhigt. Diese Paneele sorgen für ein homogenes Erscheinungsbild, das auch durch ein Farbkonzept, in dem zwei Brauntöne vertikal abwechseln, unterstrichen wird. Einzelne Bänder wurden dabei mit einem erhöhten Glanzgrad ausgeführt. Darin spiegelt sich, im Gegensatz zu den matteren Paneelen, die Umwelt – etwa Bäume, rote Sonnenuntergänge, blauer Himmel, vorbeifahrende Autos …
So ruhig und sachlich sich die Fassade präsentiert, so expressiv wurden die neuen Eingänge ausgeführt. Die Funktion des Windfangs übernehmen dabei Nurglas-Boxen im Format von zirka 10 x 10 x 10 Meter, die als Plug-on-Elemente konstruiert wurden. Sie sind vollkommen autark vom bestehenden Gebäude und können an jedem beliebigen Punkt aufgestellt werden.
Mit diesen einheitlichen, zeitgemäßen Boxen wurden die Eingänge für den Besucher deutlich definiert. Um auch in Richtung Autobahn und Bundesstraße 17 ein weithin sichtbares Zeichen zu setzen, bekamen die einzelnen Nurglas-Boxen ausdrucksstarke Rahmen, die „Clouds“: Diese unterscheiden sich sowohl in Form als auch in der Farbe von den restlichen Oberflächen der Fassaden, beziehen sich vielmehr bereits in ihrem Wesen auf das Innere der Mall: Als geschwungene, weiß glänzende, glatte Flächen setzten sie die Gestaltung der Innenräume fort und transferieren das viel-versprechende Innere nach außen.

Nachhaltigkeit und Ökologie

Aus ökologischen Gründen war das Aufbringen einer neuen Wärmedämmung an der Fassade unumgänglich. Zusätzlich wurden Fenster ausgetauscht und mit Dreifach-Isolierglas versehen. Die Außentüren wurden durch neue, besser gedämmte Türelemente ersetzt. Allein durch diese Maßnahmen konnte der Energiebedarf der neuen SCS um gut ein Drittel gesenkt werden.
In der Haustechnik wurden die Lüftungszentralen mit Rotationswärmetauschern ausgestattet und das neue Zuluftsystem mit qualitätsgeführter Luftmengenregelung (CO2- und temperaturgeführt) versehen. Kälte- und Heizzentrale wurden auf Fernwärme bzw. Fernkälte umgestellt.
Wesentlichen Anteil am Energieeinsparungspotential hat auch die Wärmerückgewinnung im Bereich der Lüftung sowie die Erneuerung der gesamten Beleuchtung und die Umstellung auf modernere, energiesparende Systeme. So wurden etwa größere Teile der Mallbeleuchtung mit LED-Leuchtmittel ausgestattet.
Ebenfalls erneuert wurden die Energiezähl-systeme aller Medien.

Tragwerksplanung und Statik

Zu den statischen Highlights des Umbaus gehören zweifelsohne der Einbau der Glasboberlichter und die Instandsetzung des bis zu 30 m gespannten und rund 200 m langen Holzdachs. Dabei wurden die Zugbänder ausgetauscht, zusätzliche Holzlamellen eingeleimt und die Knotenpunkte verstärkt.
In der Mall wirkte sich die Änderung der Deckenöffnungen zwischen unterer und oberer Verkaufsebene auf Decken und Unterzüge aus. Diese mussten mit Kohlefaserlamellen und Stahlträgern verstärkt werden. Außerdem wurde die bestehende Pfahlfundamentierung im Gebäudeinneren mittels Kleinbohrpfählen verstärkt.

Fakten


Adresse

A-2334 Vösendorf

Fläche

GLA 192.500 m2

BGF gesamt 105.000 m2

Architektur

ATP architekten ingenieure

Landstraßer Hauptstr. 99-101

A-1030 Wien

Chronologie

Planungsbeginn: 01/2010

Baubeginn: 04/2012

Fertigstellung: 11/2013

Projektpartner

Allianz Stadion Rapid Wien
Park Hyatt Vienna